Ein Tagesausflug nach Tschornobyl

Bist du jemals auf die Idee gekommen, einmal eine sogenannte Todeszone zu besuchen? Heutzutage ist vieles möglich und etwas Kleingeld vorausgesetzt, auch das. Auch nach mehr als 30 Jahren hat dieser Ort nichts von seiner morbiden Anziehungskraft verloren und ist mittlerweile auch für den Tourismus geöffnet.

Vorbereitung

Als erstes sollte man sich überlegen, zu welcher Jahreszeit man Tschornobyl besuchen möchte. Die beste Zeit dafür ist der Sommer. Im Sommer ist es besonders eindrucksvoll zu sehen, wie sich die Natur ihren Platz von der Zivilisation zurückholt, wie Häuser überwuchert werden, wo vor gerade einmal 31 Jahren Menschen lebten, glücklich und hoffnungsvoll. Man bekommt schnell eine Gänsehaut, wenn man im dichten, meterhohen Gestrüpp die Spitze eines ehemaligen Wohnblocks zu Gesicht bekommt.

Die Hauptstraße von Prypiat Stadt (Tschornobyl Sperrzone),

Während des restlichen Jahres wird man diese intensive Botschaft der Natur nicht wirklich spüren. Und die Luft ist einfach perfekt, wenn alles um dich herum blüht und lebt.

Nachdem man sich entschieden hat, wann es los gehen soll, sollte man mit seinen Mitreisenden alle Details dieser ungewöhnlichen Reise durchgehen. Es besteht auch kein übertriebener Grund zur sorge, denn das Niveau der Strahlung ist in Kiew nicht niedriger (und in einigen Orten sogar höher) als in der Sperrzone von Tschornobyl (12-13 mSv).

Als nächstes sollte man sich nach einem Reiseführer umsehen, dazu gibt es im Internet genügend Angebote. Spricht man selbst kein Ukrainisch oder Russisch, sollte man jemanden mit Englisch oder Deutschkenntnissen engagieren.

Der Reiseführer sollte genügend Erfahrung mitbringen, über die Ortsgegebenheiten gut informiert sein, sollte wissen, welche Menschen man in der Sperrzone antreffen kann, welche Dinge man unbedingt gesehen haben muß und was man auf gar keinen Fall tun darf. Viele Reiseführer veröffentlichen ihre Angebote auf der OLX-Website www.olx.ua und helfen bei den Dokumenten, sie wissen, was zu beachten ist und wissen, wen man ansprechen muß. Es ist durchaus eine gute Idee, den Tschornobyl Ausflug zu Zweit anzutreten. Man kann auch ein Auto mieten und so kann man zu jeder Zeit des Tages kommen und gehen.

Wenn der Reiseführer gefunden wurde, ist es an der Zeit, Kleidung mit langen Ärmeln zu finden. Als Frau sollte man sich von dem Gedanken verabschieden den Ausflug im Sommerkleid antreten zu können. Die Kleidung sollte wichtige Körperteile abdecken. Mit anderen Worten, lange Hosen, geschlossene Turnschuhe/Schuhe, ein Hemd/Bluse mit langen Ärmeln, sollten auf dem Anziehprogramm des Tages stehen.

Hier endet der Vorbereitungsteil. Im nächsten Schritt sollte man die Mythen und Gerüchte vergessen, die man schon einmal über Tschornobyl gehört hat.

Mythen

Der erste Mythos handelt von den Tieren. Man wird in der Sperrzone keine zweiköpfigen Hunde, riesige Moskitos und von Strahlung betroffene Menschen sehen. Man wird aber vom Grün und der Ausbreitungskraft der Natur überrascht sein.

“Polissya” Hotel, Prypiat

Der zweite Mythos ist, dass es gefährlich sei, selbst nur wenige Stunden in der Sperrzone zu verbringen. Das ist nicht wahr. Das Strahlungsniveau in der 30 km langen Zone von Tschornobyl liegt zwischen 10 und 14 mSv, während es in einigen Zonen der Stadt Kiew 12 mSv erreicht (z. B. Liutizh Village, Kyiv Region). Es ist vollkommen in Ordnung, einen Tag in Tschornobyl zu verbringen. Wenn man am am Morgen die Sperrzone betritt und vor 17:00 Uhr wieder verlässt, wird nichts passieren.

Der letzte Mythos ist, dass Tschornobyl eine tote, menschenleere Zone sei. Das ist es definitiv nicht. Arbeiter kommen jeden Tag mit dem Bus aus den benachbarten Dörfern und fahren abends wieder nach Hause oder bleiben für ihre Schicht. In Tschornobyl leben über 100 Menschen. Sie wurden nach der Tragödie evakuiert, kamen aber später zurück, weil sie ihr Zuhause vermissten. Jetzt haben sie sich an diese Art von Leben gewöhnt und weigern sich zu gehen. Natürlich gibt es keine Krankenhäuser. Das nächstgelegene Krankenhaus befindet sich in der Stadt Ivankiv in der Region Kiew. Und im Allgemeinen sind die Lebensbedingungen inakzeptabel: Wasser aus dem Gebiet darf man nicht trinken, das gleiche gilt für Früchte, Gemüse usw. und im eigenen Garten kann man auch nichts anbauen, obwohl es Menschen gibt, die diese Regeln bewusst ignorieren.

Wohnhaus, Tschornobyl

Dinge und Orte die man gesehen haben muß

Es gibt vier Dinge, die man in der Sperrzone auf jeden Fall gesehen haben muß.
Das erste ist das Denkmal der Dörfer, die aufgrund der Tragödie zerstört wurden. Es ist bedrückend, wenn man alle diese Dorfnamen sieht, die allesamt mit roten Linien durchgestrichen wurden. Wenn man möchte, kann man sich einige der Dorfnamen notieren und später im Internet nach weiteren Informationen dazu suchen, das kann durchaus interessant sein.

Das Denkmal der zerstörten Dörfer, Tschornobyl

Der zweite Ort ist das Kraftwerk selbst und der neue Sarkophag. Die Reiseführer sagen, dass die Welse im Wasser um das Kraftwerk herum riesig sind. Das passiert, weil es verboten ist, im Sperrgebiet zu fischen. Und die Touristen bringen gerne Brot mit, um die Fische zu füttern. Vielleicht hast du Glück, und ein Wels springt aus dem Wasser, um dich zu überraschen. Vergiss nicht, etwas Leckeres mitzubringen

Atomkraftwerk Tschornobyl, neuer Sarkophag

Der dritte Ort ist das Riesenrad in Prypiat. Hier kann man sich die Verzweiflung vorstellen, die die Menschen im Moment der Tragödie empfanden. Und hör auf den Klang der Natur und sei dankbar, dass du einen Platz hast, wo du hingehen kannst.

Riesenrad in Prypiat

Der vierte und letzte Ort ist ein verlassener Kindergarten. Dazu muß man eigentlich nichts schreiben, einfach stehen bleiben und verstehen.

Ein verlassener Kindergarten, Sperrzone

Beachte die Regeln

Die Regeln, die man in der Sperrzone befolgen muß, sind sehr einfach. Nicht auf Grasflächen laufen, nichts essen, was dort wächst oder Wasser von dort trinken, die Bäume nicht berühren. Man sollte sich möglichst immer auf den asphaltierten Wegen bewegen. Das Strahlungsniveau ist auf sandigen Böden höher, weil es radioaktive Elemente angesaugt hat. Wenn man also die Sperrzone nicht nackt verlassen möchte, sollte man sich an die Regeln halten, denn auf dem Weg aus der Sperrzone gibt es Strahlungsdetektoren. Wenn die Kleidung kontaminiert ist, wird der Detektor es anzeigen, und die Wachen werden einen nicht gehen lassen.

Strahlungsmessung in Prypiat

Bevor du gehst, kannst du dir dieses Video über die Tragödie von Tschornobyl ansehen, https://www.youtube.com/watch?v=D0T-yN3xIks

Ich wünsche eine sichere Reise in die Sperrzone! An den Tag in Tschornobyl werden Sie sich wahrscheinlich für den Rest Ihres Lebens erinnern. Das ist auch immer ein guter Moment innezuhalten, wenn man gerade vom Leben mit seinen vielen kleinen Ärgernissen belästigt wird.